Lokaljournalismus: LokalPlus GmbH & Co. KG insolvent

Lokaljournalismus: LokalPlus GmbH & Co. KG insolvent

Lennestadt-Altenhundem. So wie es sich im Augenblick darstellt, ist anscheinend ein weiterer Lokalverlag im Sauerland damit gescheitert, ein eigenes lokaljournalistisches Erzeugnis am Markt zu etablieren. Die LokalPlus GmbH & Co. KG mit Firmensitz in Altenhundem hatte in den letzten Monaten eine hauseigene elektronische Lokalzeitung herausgebracht. Diese Lokalzeitung war als kostenlose „App“ konzeptioniert und soll laut Aussagen aus dem engeren Kreis der Geschäftsleitung über 6.000 App-Installationen bereits gehabt haben. Wie viele dieser Installationen am Ende täglich genutzt wurden, ist leider nicht bekannt. Nun liegt es beim amtlich bestellten Insolvenzverwalter (RA Dr. Ralf Bornemann aus Bonn), ob eine Sanierung und Fortführung des Geschäftsbetrieb möglich ist. Die Insolvenz und die Bestellung des Insolvenzverwalters fand noch im alten Jahr am 30.12.2015 statt und wurde vom Amtsgericht in Siegen verfügt.Kommentar zu dieser Medien-Insolvenz von der LokalPlus GmbH & Co. KG: Wieder einmal ist es passiert. Eine gute Idee schafft es nicht über die Ziellinie. Gute Idee und gute Umsetzung – gute redaktionelle Berichterstattung auf sehr hohem Niveau. Das meine ich nun wirklich ehrlich – ganz ehrlich. Natürlich habe ich diesen Wettbewerber beobachtet und mir Gedanken gemacht, ob das, was sie dort „abziehen“ sich wirtschaftlich rechnen wird/kann. Ich bin im regionalen Internet (gerade im Kreis Olpe) nun schon seit 2001 unterwegs und weiß, wie die Menschen und vor allem die Werbetreibenden dort „ticken“.

Am Ende wird LokalPlus an einer zu starken Zurückhaltung der örtlichen Werbetreibenden gescheitert sein. Technisch und inhaltlich war alles so, wie sich regionale Leser eine Zeitung vorstellen. Über die inhaltliche Tiefe kann man sich immer streiten – aber auch hier habe ich mehr Hintergrundwissen, als manch ein Leser von LokalPlus, wenn nicht sogar mehr Erfahrung, als das Betreiber-Team. Im August 2015 habe ich einen der Geschäftsführer, Daniel Pauly, auf unserem BNI Unternehmerfrühstück in Olpe kennengelernt und kurz gesprochen. Ich hatte ihm von ganzem Herzen „viel Glück“ gewünscht. Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich das wirklich ehrlich meine. Auch wenn es einen Wettbewerber trifft. Jeder der in Deutschland den mutigen Sprung in die Selbständigkeit wagt, der hat jedes Glück und jeglichen Respekt verdient. Gerade, wenn man sich im ländlich geprägten Kreis Olpe auf das sehr dünne Eis der Medienlandschaft bewegt. Sein Kollege Timo Gräbener war ja seinerzeit ein Arbeitskollege von mir, als ich mit meiner damaligen RK Online Verlag GmbH (nun umfirmiert zu CREANDI MEDIENAGENTUR GMBH) noch im Pressehaus Grevenbrück als geschäftsführender Gesellschafter ansässig war.

Unsere Südwestfalen-Nachrichten könnten auch noch viel mehr redaktionelle Tiefe liefern oder zu Interviews rausfahren und Fotos von regionalen Veranstaltungen schießen. Leider sind es genau die gleichen Probleme, die nun anscheinend auch LokalPlus zum Verhängnis geworden sind, beim Thema „Gegenfinanzierung“, die uns von größeren Sprüngen abhalten. Nur deswegen (durch die realistische Einnahmenplanung und absolute Kostendisziplin) gibt es unsere SüWeNa auch noch nach knapp 7 Jahren und werden seit dem auch täglich mit Neuigkeiten aus der Region bestückt. Einige böse Zungen nennen diese Art des Lokaljounalismus gerne mal „Pseudojounalismus“ – wenn ich mir das Endergebnis von LokalPlus aus Lennestadt nun so anschaue, dann sehe ich unsere bisherige Strategie bestätigt.

Lieber einen hohen Anteil an Pressemitteilungen und langfristig eigene redaktionelle Schwerpunkte mit Augenmaß setzen, als ein Strohfeuer 2-3 Jahre zu zünden, um dann mit einer großen Verschuldung in der Pleite zu Enden. Für 2016 haben wir uns regional trotzdem so einiges vorgenommen. Auch an unserem Lokalkonzept haben wir nochmals etwas optimiert. Das neue Konzept wird zum Frühjahr 2016 umgesetzt sein. Hierzu werde ich in diesem Blog in Kürze mehr Schreiben.

Den Kollegen in Lennestadt drücke ich auch jetzt noch die Daumen, dass sich vielleicht ein neuer Geldgeber findet. Vielleicht geht es dann ja noch weiter. Aber so sind unsere potentiellen Werbepartner im lokalen Einzelhandel: Selber immer jammern, dass die Menschen im Internet einkaufen, aber dann selber im regionalen Internet nicht werben … Auch für Einzelhändler gilt: Wer nicht regional im Internet auffällt und wirbt, der muss sich nicht wundern, wenn Amazon & Co. dort alles abgreifen … und dass es irgendwann keine funktionierende Plattformen mehr gibt, oder Großverlage dass dann entstandene Monopol wieder für höhere Anzeigenpreise nutzt … oder man sogar bei Amazon und Google seine Anzeigen sehr teuer erkaufen muss. Die Zukunft wird es zeigen!

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